Österliche Weggemeinschaft

Frühling_Wanderweg_Malschenberg_Foto_01a_LEI_2017Einfach davonlaufen – das würde ich manchmal gerne. Es gibt Situationen im Leben, wo es mir schwerfällt, im Hier und Jetzt zu bleiben. Gerade dann, wenn Unvorhergesehenes geschieht – wenn Lebenswege durchkreuzt werden. So wie bei den zwei Jüngern, die unterwegs nach Emmaus sind. Sie lassen Jerusalem hinter sich. Schreckliches hatten sie dort erleben müssen. Jesus, auf den sie ihre Hoffnung gesetzt hatten, ist getötet worden. In ihrem Schmerz merken sie nicht, dass er, der Auferstandene, mit ihnen geht. Sie halten ihn für einen Fremden. Erst am Ende der Erzählung, als Jesus mit ihnen zu Tisch sitzt und das Brot teilt, erkennen sie ihn.

Drei Stellen auf diesem Emmausweg finde ich besonders bemerkenswert. Sie helfen mir zu erkennen, auf welche Weise uns der Auferstandene begegnen kann. Gleich zu Beginn der Erzählung heißt es über die Jünger in Vers 14: „Sie sprachen miteinander“. Wie gut es doch ist, jemanden zu haben, mit dem ich reden kann. Das ist entlastend und öffnet unerwartet Perspektiven. In der Emmauserzählung wird die neue Perspektive für die Jünger durch die Person Jesu sichtbar. Er tritt hinzu, „während sie redeten und ihre Gedanken austauschten“ (Lk 24,15). Wo Menschen sich über das austauschen, was ihre Herzen bewegt, werden neue Wege möglich.

Auch wenn die Jünger Jesus nicht erkennen, so spüren sie doch, dass ihnen die Weggemeinschaft mit ihm gut tut. Sie bitten ihn: „Bleibe bei uns“. Jesus folgt dieser Bitte. Die Jünger erfahren: Da ist jemand, der sich Zeit für uns nimmt. Dieser Fremde kehrt mit uns ein. Er setzt sich mit uns an den Tisch. Gerade in leidvollen Situationen brauchen wir einen verständnisvollen Menschen, der uns zur Seite steht und spüren lässt: Du bist nicht allein. Ich bin bei Dir. Ich bin für Dich da.

Erstaunlich ist, dass die Jünger Jesus in dem Augenblick, als sie ihn erkennen, nicht mehr sehen. Man hat den Eindruck, dass die sichtbare Präsenz Jesu nur von vorübergehender Bedeutung war. Doch diese Präsenz hat etwas bewirkt. Die Jünger sind wie verwandelt. Sie wirken befreit. Sie sagen: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete … ?“ Jesus hat in ihnen neue Lebensfreude entfacht. Seine Worte haben ihre inneren Ressourcen geweckt. Nun haben die Jünger die Kraft, nach Jerusalem zurückzukehren. Die Weg- und Tischgemeinschaft mit Jesus war heilsam für sie.

An Ostern sind auch wir eingeladen, uns in der Weg- und Tischgemeinschaft untereinander und mit dem Auferstandenen neu bestärken zu lassen für unseren eigenen Lebensweg– gerade auch dort, wo wir am liebsten davonlaufen würden!

Ein segensreiches Osterfest wünscht Ihnen

Pastoralreferent Alexander Ruf

(Bild: Matthias Leidert, ViDia Christliche Kliniken Karlsruhe)