Deine Augen in unseren Augen

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3 Gedanken zur Citypastoral,
angeregt durch Texte von Madeleine Delbrêl

(* 24. Okt. 1904 in Mussidan. + 13. Okt. 1964 in Ivry-sur-Seine.)

Absichtslos präsent

„Ich war nach Ivry gekommen, weil eine ganze Reihe von Umständen dafür gesorgt hatte, dass ich hier wohnen und meinen Lebensunterhalt verdienen konnte. Wir waren zu dritt in der gleichen Lage. Wir hatten fast keine Pläne. Was wir suchten, was ich wollte, war die Freiheit, in Tuchfühlung mit den Männern und Frauen der ganzen Erde zu leben und mit meinen Zeitgenossen die Jahre unserer gleichen Kalender und die Stunden unserer gleichen Uhrzeit zu verbringen.“ (M. Delbrêl)

Fast keine Pläne, lediglich die Sehnsucht, mit den Menschen ihrer Zeit, die Lebenszeit zu teilen. Citypastoral will für die Menschen unserer Zeit da sein, für unsere Zeitgenossen. Oft verbringen wir viel Zeit damit unsere Arbeit zu planen, zu organisieren, zu strukturieren. Vielleicht ist es gut, sich zwischendurch immer wieder in Erinnerung zu rufen, was für Madeleine Delbrêl das wichtigste Anliegen war: einfach da zu sein, in Tuchfühlung mit den Männern und Frauen ihrer Zeit.

Gott inmitten der Stadt

„Im Glauben haben wir Gott gefunden; wir können ihn weitergeben, wenn wir uns selbst geben – und zwar hier in unserer Stadt. Es geht also nicht darum, dass wir uns irgendwohin davonmachen, das Herz beschwert von der Not der anderen; wir müssen vielmehr bei ihnen bleiben, mit Gott zwischen ihnen und uns.“ (M. Delbrêl)

Madeleine Delbrêl ist überzeugt davon, dass Gott überall zu finden ist, nicht nur in der Kirche, sondern auch mitten in der Stadt. Auch in einer Arbeiterstadt wie Ivry, wo zu Madeleines Zeiten Religion und Glaube keine Rolle spielen. Es ist wichtig, dass Christen auch an diesen Orten präsent sind, dass sie vor Ort bleiben, auch wenn es schwerfällt. Es geht nicht darum große Worte zu machen. Was zählt, ist das persönliche Zeugnis, dass Gott im Leben wirkt. Ich muss mich selbst geben, wenn ich Gottes Gegenwart in meiner Stadt aufzeigen möchte. Das persönliche Leben zählt. Das macht uns als Kirche glaubwürdig.

Deine Augen in unseren Augen

„Oben an der großen Treppe zur Metro schauen wir (…) über eine Fläche aus Menschenköpfen hin (…) Mützen, Hüte, Haare jeglicher Farbe. Hunderte von Köpfen. Hunderte von Seelen. Wir ganz oben. Und weiter oben und überall: Gott. Gott überall: Aber wie viele wissen das?(…)
Herr (…) Geh durch. Meine Augen, meine Hände, mein Mund sind dein. Diese so traurige Frau mir gegenüber: Hier ist mein Mund, damit du ihr zulächelst. Dieses Kind, das vor lauter Bleichsein grau ist: Hier sind meine Augen, damit du es anschaust. Dieser müde, so müde Mann: Hier ist mein Leib, damit du ihm meinen Platz gibst…“ (M. Delbrêl)

Gott will durch uns in dieser Welt wirken. Das ist ein Grundgedanke der Spiritualität Madeleine Delbrêls: Deine Augen sind unsere Augen. Das ist uns auch im kirchenfenster der Citypastoral Karlsruhe ein Anliegen. Durch uns sollen Menschen Gottes Nähe in ihrem Leben entdecken und erfahren, in den Gesprächen, die wir führen und in der Zeit, die wir uns für die Menschen nehmen.

Pastoralreferent Alexander Ruf