Komm herab, du Heiliger Geist! Bewege uns, entflamme uns!

“Das Fest, wo es nix gibt“, so hat mal jemand Pfingsten beschrieben und dabei an fehlende Geschenke oder Ostereier gedacht. Ein kirchliches Fest, bei dem kaum jemand weiß, was gefeiert wird. Aber irgendwas muss sein, sonst gäbe es nicht deutschlandweit einen freien Tag. Und es gibt noch so viel mehr…

Ich freue mich immer sehr auf Pfingsten! Nicht wegen des freien Tages, meines Nordseeurlaubs oder der Tatsache, dass keine äußeren Vorbereitungen wie Wohnungsdekoration oder Geschenkekäufe zusätzliche Zeit brauchen, sondern tatsächlich wegen des religiösen Hintergrundes:
Jesus ist damals an Himmelfahrt (“Vatertag”) endgültig von seinen Freunden weg und zum Vater gegangen. Ein trauriger Tag des Abschieds – mit der Verheißung, dass er einen Beistand schickt.

Wie oft brauche ich einen Beistand… Wenn ich einen Menschen vermisse, wenn ich mich alleine fühle, wenn ich Angst habe, wenn ich kraftlos, geschockt, entmutigt, gehetzt bin. Wenn ich innerlich zu verhärten oder erfrieren drohe, wenn ich Heilung brauche. Das, was ich dann brauche, sind Umschreibungen für den Beistand, den Heiligen Geist – all das gibt es zu Pfingsten!

In der Pfingstsequenz ist beschrieben, was der Heilige Geist bewirkt. Sie ist ein alter Gesang, mit dem traditionsgemäß an Pfingsten um die Gaben des Geistes gebeten wird. Ich habe schon etliche Autofahrten damit zugebracht, einzelne Strophen zu singen oder beten und mir damit Mut zusprechen lassen und Beistand geholt. Und erfahren, dass es dadurch wirklich ruhiger, heller, kraftvoller, wärmer oder kühler in meinem Leben wird – was auch immer gerade nötig war und wofür ich empfangsbereit war. Es hat ja auch etwas damit zu tun, was ich als Defizit erkenne und wofür ich offen bin. Zu formulieren, was mir fehlt, bringt ja schon Klarheit und Ideen, wie ich es bekommen kann.

Vielleicht mögen Sie mit mir einige Auszüge aus der Pfingstsequenz beten und sich Beistand holen? Vielleicht passt ja der eine oder andere Vers auch für Ihren Pfingst- oder Alltag…

„Komm herab, o Heil‘ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.“

(Antke Wollersen – mit freundlicher Genehmigung des WO am Sonntag)