Kar- und Ostertage im Zeichen von Corona

palm-fronds-3807825_960_720Palmsonntag
„Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus,
andere schnitten Zweige von den Bäumen
und streuten sie auf den Weg.
Die Leute aber, die vor ihm hergingen
und die ihm nachfolgten, riefen:
Hosanna dem Sohn Davids!
Gesegnet sei der da kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe!“ (Mt 21,8-9)

Jesus zieht in Jerusalem ein.

Das feiert die Kirche am Palmsonntag.

Doch dieses Jahr bleiben die Kirchen leer.

Keine Palmprozessionen,

kein fröhlicher Einzug der Gemeinde in das Gotteshaus.

Palmsonntag in Zeiten der Pandemie.

Wir bleiben zuhause, auch wenn es schwer fällt.

Doch könnte denn nicht das eigene Haus,

die Wohnung, in der ich lebe,

der Ort meines alltäglichen Lebens,

zur Kirche im Kleinen werden?

Zum persönlichen Jerusalem?

Jesus, zieh Du bei uns ein,

in unser Haus, in unsere Familie.

Wir öffnen Dir unsere Herzen.

Komm zu uns, in unserer Mitte.

Gesegnet sei der da kommt im Namen des Herrn.

Hosanna in der Höhe!

FusswaschungGründonnerstag
„Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,12-15)

Jesus wäscht seinen Freunden die Füße.

Das war Aufgabe der Diener im Haus.

Ein starkes Zeichen!

Ebenso stark die Aufforderung Jesu

an seine Jünger und an uns:

Geht und handelt genauso!

Dienst am Mitmenschen, Einsatz für andere -

das brauchen wir vor allem jetzt!

Viele Menschen sind auf Hilfe angewiesen

und viele Menschen helfen!

Die Solidarität der vergangenen Tage beeindruckt mich.

Das ist der Weg aus der Krise

und ein therapeutisches Mittel, das schon jetzt wirkt.

Psychologen bestätigen: Wer in Krisenzeiten auch an andere denkt

und solidarisch handelt, ist glücklicher als jemand, der nur auf sich schaut.

Dessen war sich auch Jesus sehr wohl bewusst.

Die Nächstenliebe ist für ihn der Weg zum Reich Gottes,

der Weg zum erfüllten Leben.

Er hat uns ein Beispiel gegeben,

gehen wir und handeln genauso!

KreuzKarfreitag
„Sie übernahmen Jesus. Und er selber trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus.“ (Joh 19,17-18)

Jesus wird gekreuzigt.

Zusammen mit zwei anderen Verurteilten

zu seiner Linken und zu seiner Rechten

erleidet er den Kreuzestod.

Jesus stirbt, in ihrer Mitte.

Gottes Sohn geht mitten hinein,

in den Schmerz und  in die Ohnmacht,

mitten hinein in die Angst und Ausweglosigkeit,

mitten hinein in das Leiden und Sterben.

Das Kreuz ist für mich die feste Zusage,

dass Jesus auch in den leidvollen Stunden

meines Lebens da ist.

In diesem Vertrauen bete ich heute

für alle Menschen,

die in diesen Tagen leiden.

Für alle, die erkrankt sind

zuhause in Quarantäne oder in unseren Kliniken und Pflegheimen.

Für alle, die sich an den Grenzen der Belastbarkeit

für die Kranken einsetzen und für sie sorgen.

Ich bete für alle Sterbenden und für ihre Angehörigen.

Für alle, die unter Einsamkeit, Angst und dem Gefühl von Ohnmacht leiden.

Für alle, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen und kämpfen.

Für alle, die in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medizin Verantwortung tragen

und Entscheidungen treffen müssen.

Und für uns alle, dass wir in dieser Krise solidarisch handeln und

den Mut nicht verlieren.

Sei Du, in unserer Mitte! Sei Du mitten unter uns!

GrabhöhleKarsamstag
„An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.“ (Joh 19,41-42)

Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe Jesu.

Es ist der einzige Tag im Jahr für den die Kirche

keine liturgische Feier vorgesehen hat.

Ein Bruch, mitten im Kirchenjahr.

Der Tod Jesu – eine Zäsur.

Für die Jünger damals

das Ende ihrer Hoffnung.

Sie wussten noch nichts von der Auferstehung

und vom neuen Leben.

Sie mussten aushalten,

was passiert war.

Das Geschehene aushalten,

das müssen auch wir in diesen Tagen.

Die bedrückenden Nachrichten aus

dem In- und Ausland.

Berichte von überfüllten Kliniken

und von Notständen in Altenheimen und bei Pflegediensten.

Statistische Angaben mit täglich steigender  Todeszahl.

Bilder von aufgereihten Särgen in Kirchen und auf Friedhöfen.

All das ist eine Zäsur unseres alltäglichen Lebens,

ein schmerzlicher Bruch, der aufwühlt und erschüttert,

ein Karsamstag, mitten im Leben.

Das Grab Jesu ist ein Ort, wo ich gedanklich

all meine Fragen, Sorgen und Nöte ablegen darf.

Ein Ort der Ruhe, wo ich beten kann, mit Worten, wie Jesus sie am Kreuz gesprochen hat:

Vater in Deine Hände lege ich meinen Geist –

Vater in Deine Hände lege ich meinen Schmerz, meine Angst, meine Ohnmacht!

FeuerOsternacht
„Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag! Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.“ (Mt 28,5-8)

 

Jesus ist auferstanden!

Er hat die Dunkelheit des Todes überwunden.

Das ist die frohe Botschaft der Osternacht.

Eine Botschaft die im Osterfeuer aufflammt

und im Licht der Osterkerze sichtbar wird.

Dieses Jahr erreicht mich diese Botschaft nur per livestream.

Kaum vorstellbar, nicht selbst am Osterfeuer zu stehen

und mit dem Licht der Osterkerze in die dunkle Kirche einzuziehen.

Doch trotzdem feiern wir Ostern

und trotzdem gilt die Botschaft des Engels am leeren Grab:

„Fürchtet euch nicht – er ist auferstanden!“

Diese Verheißung gelangt auch über livestream in mein Herz.

Die Osterbotschaft ist und bleibt ein Lebensstrom,

der Leben weckt und Hoffnung schenkt.

Und diese Hoffnung gilt es weiterzugeben,

so wie es die Frauen getan haben,

die als erste davon hörten.

Wem könnte ich meine Osterfreude weiter schenken?

Wer würde sich über eine Nachricht oder einen Anruf von mir freuen?

Frohe Ostern – Jesus ist auferstanden!

GartenOstersonntag
„Maria von Magdala stand draußen vor dem Grab und weinte. …. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.“ (Joh 20,11; 15f)

Als Jesus Maria beim Namen nennt, erkennt sie ihn und begreift: Jesus lebt!

Beim Namen gerufen werden, heißt als Person angesprochen sein.

Ich bin gemeint, kein anderer.

Ich, mit meiner Lebensgeschichte

und mit allem, was mein Leben ausmacht.

Beim Namen gerufen werden,

schafft Beziehung.

Und nur in Beziehung, kann ich erkennen, wer der andere ist.

In den vergangenen Wochen wurden wir täglich mit aktuellen Statistiken konfrontiert.

Die steigenden Zahlen von Infizierten und von Verstorbenen gehen mir nahe,

auch wenn ich die einzelnen Menschen nicht kenne.

Namen tauchen in den Statistiken aus verständlichen Gründen keine auf.

Statistik kennt keine Namen. Zahlen sind anonym.

Dennoch steht hinter jeder Zahl ein persönliches Schicksal,

ein Mensch, mit seiner je eigenen Lebensgeschichte.

Am heutigen Ostersonntag möchte ich besonders an diese Menschen denken

im Vertrauen, dass Gott sie beim Namen ruft

und ihm Vertrauen auf seinen Segen.

EmmauswegOstermontag
„Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.“ (Lk 24,13-16)

Wie soll es weitergehen?

Diese Frage gehörte vermutlich auch zu den Gedanken,

über die sich die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus austauschten.

Den, auf den sie ihre Hoffnung gesetzt hatten, war in Jerusalem gekreuzigt worden.

Wie sollte es weitergehen – ohne ihn?

Sie haben keine Antwort. Daher kehren sie Jerusalem den Rücken

und verlassen den Ort des Schreckens.

Wenn ich nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll,

möchte ich oft auch am liebsten davonlaufen und alles zurücklassen.

Doch ist das der Ausweg aus der Krise?

Die Emmausjünger machen die Erfahrung,

dass sie mit ihren Fragen nicht allein gelassen sind.

Jesus kommt hinzu und geht mit ihnen.

Aber erst am Ende des Weges erkennen sie,

dass Jesus sie begleitet hat.

Und dann heißt es: „Noch in derselben Stunde brachen sie auf

und kehrten nach Jerusalem zurück…“ (Lk 24,33)

Die Emmausgeschichte stärkt mein Vertrauen, dass der Auferstandene

in ausweglos erscheinenden Situationen mit mir geht.

Auch wenn ich es oft nicht unmittelbar erkennen kann,

ist er an meiner Seite.

Aus diesem Vertrauen kann ich Kraft schöpfen,

nicht davonzulaufen, sondern die Krise durchzustehen.

Und nicht selten kann ich im Nachhinein auch etwas von der Freude

der Emmausjünger spüren, die erstaunt zueinander sagten:

„Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete…“ (Lk 24,32)