Predigt aus der Citymesse während des Brigantenfestes

Liebe Schwestern und Brüder,

die Knie haben mir gezittert und ich wollte am liebsten einfach wieder weglaufen. So ging es mir als ich Paulus an das Rednerpult auf dem Areopag trat und dann die vielen Menschen sah, die auf mich blickten.

Die Knie haben mir gezittert, aber Gott sei Dank hat das niemand bemerkt von diesen Athenern. Ja, von Philippi über Thessalonich kam ich nach Athen. Ihr wisst ich war viel unterwegs für das Evangelium und für Jesus, aber Athen, darauf musste ich mich erst einstellen, diese Stadt hat mich herausgefordert, war eine ganz andere Hausnummer.

Athen, diese Stadt der Touristen, der Philosophen, der Besserwisser, aber auch die Stadt der vielen Götzenbilder.

Was ist eigentlich Karlsruhe für eine Stadt, könnt ihr mir das sagen?Kennt ihr die Menschen, die hier leben und arbeiten oder kennt ihr nur euch untereinander? Habt ihr den Mut euch auch unter das Volk zu mischen oder zieht ihr euch lieber zurück in die Defensive, in das Vertraute?

Ich, Paulus habe mich damals mitten unters Volk gemischt, um zu hören, was die Menschen so reden, was sie beschäftigt. Ich wollte herausfinden, was sie für Fragen haben, ob ihnen im Leben etwas fehlt.

Denn daraufhin kann ich dann meine Botschaft ausrichten. Denn am Leben der Menschen, an ihren Fragen und Sehnsüchten will der Glaube anknüpfen, aber dazu muss ich an den Menschen der Zeit dran sein.

Ich war in meinen allerersten Tagen in Athen zunächst in der Synagoge,

so wie ihr in der Kirche versammelt seid. Aber neue Menschen konnte ich in der Synagoge nicht gewinnen, klar musste ich auch nicht, denn sie kamen ja alle schon als Glaubende alle freiwillig um sich zu stärken für ihren Alltag.

Wo aber finde ich dann Menschen, denen ich von Gott erzählen, die ich für Jesus begeistern kann? Ist das nicht der Auftrag von uns Christen? Nicht nur an uns zu denken, sondern sich auch einmal zu fragen: Habe ich schon einmal im Leben jemand für Jesus gewinnen können? Wo finde ich Menschen, die denen dieser Gott noch unbekannt ist? Auf dem Areopag, dem Marktplatz, ja eigentlich habt ihr hier mit eurer Stephanskirche auch einen guten Platz gewählt, weil tagsüber, ganz bestimmt samstags oder vor Weihnachten viele Menschenmassen um eure Kirche herum unterwegs sind, vielleicht sogar neugierig hineinschauen. Sind eure Türen zu diesen Zeiten geöffnet?

Entschuldigt, ich meine auch eure ganz persönlichen Türen eures Herzens? Wo ist denn euer eigener Areopag, euer persönlicher Marktplatz, wo spielt sich eurer Leben denn ab? Nur hier in St. Stephan,

nur unter Kirchenleuten? Mit wem lebe ich denn jeden Tag Seite an Seite? Kennt ihr eure Nachbarn? Wohin bewege ihr euch denn täglich?

Wen trefft ihr bei der Arbeit, an der Hochschule, im Kindergarten, in der Schule oder beim Einkaufen. Ist jemand von denen, die ihr auf eurem persönlichen Areopag, in eurem Alltag antrefft durch euch schon einmal neugierig geworden auf den Glauben oder Jesus?

Liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht sind wir Christen seit über 2000 Jahren Dolmetscher der Frohen Botschaft von Jesus. Ich Paulus habe es jedenfalls versucht Dolmetscher für die frohe Botschaft zu sein, zu meiner Zeit habe ich den Glauben aus dem jüdisch-hebräischen Horizont in die griechisch-römische Welt auf den Areopag nach Athen zu tragen. Ja, es hat mich gedrängt ihn, die Frohe Botschaft zu den Menschen in diese Stadt zu tragen. Ich habe mich versucht in die Situation der Juden, in die Lage der Schwachen, in die Fragen der Griechen, zu versetzen, um ihnen das Evangelium auf Augenhöhe zu verkünden. Da galt es wieder neue Worte zu suchen, zu beschreiben, denn Worte wie „Gnade“ oder „Monstranz“ kann ich heute nicht mehr voraussetzen, die versteht niemand mehr.

Bei allem, was an mich herantrat – seien es Fragen, Probleme und Lebensaufbrüche, die mich erreichten Habe ich zunächst auf die Geschichte Gottes mit seinem Volk, meine eigene Glaubenserfahrung als Christ und auf das hörte auf das Wort Gottes zu hören. Ich habe darauf vertraut, dass Gott mir den Weg weist. So bin aus der Synagoge hinausgegangen in die Welt und habe versucht jede Situation des Alltags im Licht des Glauben zu deuten. Ich wollte nichts anderes sein als ein Dolmetscher für die frohe Botschaft, damit die Menschen verstehen, was Jesus ihnen sagen will.

Liebe Schwestern und Brüder, Dolmetscher zu sein für den Glauben, die Frohe Botschaft in unsere zeit zu übersetzten, damit sie die Menschen verstehen, das war meine Herausforderung auf dem Areopag, als mir die Knie zitterten.

Ist das nicht auch eure Aufgabe in eurem Alltag. Um Dolmetscher/Dolmetscherin für den Glauben zu sein, brauche ich keine Sprachen zu beherrschen oder Theologie studiert zu haben.

Ich darf mich ergreifen lassen von der Frohen Botschaft, ich darf mich hier in der Kirche anstecken lassen mit Hoffnung und Freude für meinen Alltag.

Und dann bitte eines nicht vergessen, diese Hoffnung, diese Freude, auch hinauszutragen aus dieser Kirche mitten unter die Menschen durch ein Lächeln, eine helfende Tat oder ein ermutigendes oder lobendes Wort. Ja schon ein Danke“ oder „Gerne!“ macht vielleicht jemanden neugierig, woher unsere Freundlichkeit und Güte kommt.

Seid also nicht bekümmert liebe Karlsruher,

denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“

mit freundlicher Genehmigung des Predigers vom 27.05.2014 Martin Kalt