„Gott ist schon da!“

Neulich saß ich im Wartezimmer meines Zahnarztes und fragte mich, ob ich das wirklich glaube – also nicht nur auf dem Papier und weil ich Theologin bin, sondern wirklich! Rechne ich zutiefst damit, Gott immer und überall vorzufinden, wo ich hinkomme? Zum Beispiel auch in einem Wartezimmer an einem ganz normalen stressigen Tag? Wenn er da ist, muss es doch auch Spuren Gottes im Alltag geben…

Ich schaute mich um und freute mich, neben dem schwarzen einen leuchtend gelben Stuhl zu sehen und wurde froh beim Gedanken an die Sonne nach all den trüben Tagen. Hoffnung! Dann sah ich durch das Fenster ein wunderbares Spiel von Wolken und Sonne, das mir ohne meine bewusste Suche wohl kaum aufgefallen wäre. Ich wurde dankbar für so viel Wunderbares – statt mich zu ärgern, weil ich warten muss und die Zeit verrinnt. Auf dem Zahnarztstuhl dann saß ich gegenüber von einem schönen Rosenbild und fühlte mich erinnert, dass Dornen Rosen tragen und buchstabierte das für meinen Alltag durch.

Tragen auch Ihre Dornen Rosen? Lassen auch Ihre Wolken Sonnenstrahlen durch? Können Sie Wartezeiten etwas Positives abgewinnen und zum Beispiel einfach einmal tief durchatmen?

Mein Tag ging dann irgendwie so weiter: eine schöne Begegnung mit dem netten Zahnarzt (es war nur ein Kontrolltermin!), ein Autofahrer, der mich an einer Abzweigung vorließ und ein Lächeln mit mir tauschte, ein freundliches Gesicht an der Tankstelle,… Mir fiel die Geschichte vom Hasen und Igel ein: immer wenn der Hase ankam, war der Igel schon längst da. Immer wenn ich ankomme, ist Gott schon längst da? Nicht nur in überwältigenden Momenten, Gefahren oder großer Traurigkeit, sondern auch im Kleinklein meines oft so anstrengenden und vollen Alltags?

Manchmal lebe ich so, als ob er da wäre und öffne meine Augen für Gottes Spuren in meinem Leben. Dann wandelt sich ein voller Tag von einem stressigen in einen reichen – obwohl sich äußerlich nichts verändert. Die Termine werden nicht weniger, die Straßen nicht leerer und die Menschen nicht freundlicher. Aber wenn ich einen Blick für die hellen Momente und die Freundlichkeit der Menschen habe, nehme ich sie wahr. Wenn ich mit Gott rechne, sehe ich seine Spuren, spüre seine Begleitung und seinen Trost. Wenn ich damit rechne, kommen mir vielleicht auch Ideen, wo ich Trost finden könnte und telefoniere mit einer Freundin oder vertraue mich einer Kollegin an. Ja, auch in der Hilfe, die ich mir selber suche, begegnet mir Gott. Und auch, wenn ich das Gefühl habe, dass niemand erreichbar ist und ich ganz alleine bin in meiner Not. Gott ist sehr erfinderisch und überraschend in der Weise, in der er uns begegnen will.

Halten wir in diesen Tagen doch einmal besonders Ausschau nach Gottes Spuren und rechnen damit, dass er schon längst da ist!