Der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet…

Im Urlaub neulich war ich zweimal am gleichen Wochenende im Gottesdienst, weil mir die Predigt so gut gefallen hat. Es ging um den Adler als Symbol für das Mitgehen Gottes mit seinen Volk. Der Pater erzählte uns, dass Adlerjunge fliegen lernen, indem sie aus dem Nest geworfen werden und mit den Flügeln schlagen müssen und erst im letzten Moment vom Vater aufgefangen werden. Immer wieder fallen und Ängste ausstehen und fliegen üben – und aufgefangen werden. Gott hat sich nach diesem Wochenende einiges von mir anhören müssen (auch wie es mir manchmal stinkt, so mühsam meinen Weg gehen zu lernen…).

„Der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet“, singen wir in dem Kirchenlied “Lobe den Herren“. Spüre ich das wirklich, dass Gott mich sicher führt? Spüre ich überhaupt seine Führung? Führt Gott oder lässt er mir die Freiheit, dahin zu gehen wohin ich will? Als Schülerin des Theologen Thomas Pröpper bin ich davon geprägt, dass Gott den Menschen den freien Willen lässt – sogar wenn ihn dieser ins Unheil führt. Dann hat nicht Gott ins Unheil geführt, sondern der Mensch durch seine freie Entscheidung. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Gott mitgeht, auch in Unheilswege und falsche Entscheidungen. Aber er bewahrt nicht davor. Er kann auch diese möglicherweise falschen Wege segnen und trösten und Auswege aufzeigen, aber er manipuliert nicht und verhindert nichts. Mein Gebet ist auch nur selten, dass Gott etwas Bestimmtes machen soll (auch wenn ich ihm meine Wünsche anvertraue), sondern eher, dass er mir oder anderen Kraft und Trost und Weisheit und Mut gibt und mitgeht. Wie beim Volk Israel in der Wüste. Es gibt eine Verheißung, die Menschen verhalten sich dazu und  Gott geht mit – auf allen Wegen und Entscheidungen. Von daher kann ich mich sicher fühlen, wie auf Adelers Fittichen gehalten, getragen und behütet. Und irgendwie auch geführt im Sinne einer guten Beratung, die Wege aufzeigt und auch mal eine eigene Wahrnehmung dazulegt, aber nie die Entscheidung oder das Fliegenlernen abnimmt.

Ich wünsche uns allen die Erfahrung, von Gott wie von einem Adler begleitet, gefordert, in die Freiheit des selbständigen Fliegens geführt und immer wieder auch getragen zu werden!

Antke Wollersen (mit freundlicher Genehmigung des WO am Sonntag)