Auch in Speyer wird über uns berichtet:

Kirchenfenster sind ja eigentlich ziemlich trist – zumindest, wenn man sie von außen betrachtet. „Dunkel und düster“ kämen sie einem vor, hat es Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt.

Beim „kirchenfenster“ in Karlsruhe ist aber gar nichts dunkel und düster. Sondern fröhlich flattern ein paar bunte Fahnen im Wind. Wenn es das Wetter zulässt, wird auch ein knallgelber Sonnenschirm aufgestellt. Die Tür steht sowieso meistens weit offen.

Man kann sich aber auch ganz langsam nähern und erst einmal vorsichtig durch eine der großen – nein: riesigen! – Scheiben linsen. Zumeist blinzeln dann zwei fröhliche Augenpaare zurück. Sie gehören den netten Menschen, die im „kirchenfenster“ gerade Dienst haben.

„Ehrenamtliche“ sind es – Frauen und Männer also, die freiwillig und unentgeltlich, in ihrer Freizeit, der katholischen Kirche von Karlsruhe ihr Gesicht geben. Mehr als 40 Personen teilen sich derzeit die sieben Schichten pro Woche auf. „Als getaufte und gefirmte Christen stehen sie für ihre Kirche in Karlsruhe Rede und Antwort“, sagt Antke Wollersen, die Verantwortliche für die Citypastoral: „Sie bezeugen: Gott ist immer schon da.“

Seit fast zehn Jahren schon gibt es das „kirchenfenster“. Damals baute man die Garage neben dem Pfarrhaus der Citykirche St. Stephan zum hellen Kirchenladen um. Ziel war und ist es, den Passanten im Herzen der Innenstadt einen so genannten niederschwelligen Zugang zu den Angeboten von Kirche zu bieten. „Neugierige und Suchende sollen mit allen Fragen rund um Glaube und Kirche ein offenes Ohr finden“, so Antke Wollersen.

Ähnliche Projekte haben sich auch in anderen Städten entwickelt. Etwa auch in Rastatt, wo die Pastoralreferentin und Supervisorin bis vor einem Jahr tätig war. Begann es anfangs noch als Experiment, hat sich das Konzept längst bewährt. Unzählige Besucher sind in den vergangenen Jahren ins „kirchenfenster“ gekommen. Ihre Anliegen, so beobachtet Antke Wollersen, sind so vielfältig wie das Leben selbst. Da gibt es einerseits Gäste, die eine Grußkarte oder einen Bronze-Engel kaufen wollen; auf der anderen Seite kommen immer wieder auch Menschen, die ein Gespräch suchen.

Sind Rat und Begleitung gefragt, müssen die Mitarbeitenden aber an andere Einrichtungen verweisen. Dafür ist das „kirchenfenster“ nicht angetreten. In diesem Zusammenhang hat es sich bewährt, dass man die Öffnungszeiten mit der „brücke“, der kirchlichen Beratungsstelle mit dem Konzept der „Offenen Tür“, abgestimmt hat.

Getragen wird die Einrichtung von der katholischen Gesamtkirchengemeinde. Man sei aber „ökumenisch offen“, wie Antke Wollersen versichert. Die Mitarbeitenden vermitteln selbstverständlich Angebote beider Konfessionen – sei es von Seelsorgeeinheiten und ihren Gemeinden, von geistlichen Gemeinschaften, Verbänden, Bildungs- und Beratungseinrichtungen.

Seit dem Eintritt von Antke Wollersen macht das „kirchenfenster“ verstärkt auch eigene Angebote. Dazu gehören spirituelle Kirchenführungen sowie sprituelle Frühstücke und Mittagspausen. Das Team beteiligt sich auch am Stadtfest oder beim Christkindlesmarkt.

So wie Karlsruhe generell bis in die Südpfalz ausstrahlt, kommen immer wieder auch Besucherinnen und Besuchern aus dem Bistum Speyer ins „kirchenfenster“. Mit Gabriele Stöcklein aus der Nähe von Kandel arbeitet sogar eine Pfälzerin im Team der Ehrenamtlichen mit. „Hier wird meine Vorstellung einer offenen Kirche gelebt“, sagt sie, die in Karlsruhe beruflich im Beratungsbereich tätig ist: „Von daher ist es mir leicht gefallen, hier Fuß zu fassen.“

Ein Beitrag von Stephan Langer im “Pilger”, der Kirchenzeitung in Speyer